Frühe Führung, große Ernüchterung: Ein Freitagabend zum Vergessen
Manchmal gibt es Fußballspiele, die sind mit dem Schlusspfiff vorbei. Und dann gibt es Spiele, die beschäftigen einen noch Tage später. Unsere Heimpartie gegen die JFG Schwarze Laber gehört zweifellos zur zweiten Kategorie. Dabei hatte alles so vielversprechend begonnen. Christian hatte das Aufwärmen übernommen und war begeistert von der Einstellung unserer Mädchen. Konzentriert, engagiert und mit richtig guter Stimmung bereiteten sie sich auf die Begegnung vor. Wir waren zuversichtlich, gegen eine solide, aber keineswegs übermächtige Mannschaft aus dem Labertal ein gutes Spiel abliefern zu können.
Und tatsächlich schien zunächst alles nach Plan zu laufen. Gerade einmal vier Minuten waren gespielt, als Kathi uns mit 1:0 in Führung brachte. Ein Auftakt, wie man ihn sich als Trainer nur wünschen kann. Die Stimmung war gut, die Zuversicht groß. Doch diese hielt gerade einmal vier Minuten. Bereits in der 8. Minute gelang den Gästen der Ausgleich. Und was danach folgte, war aus unserer Sicht nur schwer zu erklären. In der 25. und 28. Minute nutzte die JFG weitere Gelegenheiten und zog auf 1:3 davon. Viel schlimmer als der Rückstand war allerdings die Art und Weise, wie wir Fußball spielten. Oder besser gesagt: wie wir plötzlich aufhörten, miteinander Fußball zu spielen. Von den schönen Kombinationen, den durchdachten Spielzügen und dem mutigen Offensivspiel, das unsere Mädchen im Training immer wieder zeigen, war kaum noch etwas zu sehen. Stattdessen wurden Bälle unkontrolliert weggeschlagen, Pässe landeten im Nirgendwo und ein geordneter Spielaufbau fand praktisch nicht mehr statt.
Je weniger gelang, desto hektischer wurden unsere Aktionen. Anstatt gemeinsam Lösungen zu suchen, versuchte jede Einzelne, irgendwie selbst die Situation zu retten. Doch Fußball ist nun einmal ein Mannschaftssport. Und elf Einzelkämpferinnen ergeben noch lange keine funktionierende Mannschaft. In der Halbzeit versuchten wir, die Köpfe wieder freizubekommen. Schließlich lagen wir nur zwei Tore zurück. Im Fußball ist das alles andere als eine Vorentscheidung. Ein schneller Anschlusstreffer, ein bisschen Selbstvertrauen und plötzlich kann ein solches Spiel eine ganz andere Richtung nehmen.
Doch es kam anders.
Gerade einmal drei Minuten waren in der zweiten Halbzeit gespielt, als die Gäste auf 1:4 erhöhten. Ein weiterer herber Rückschlag. Zwar gelang uns im weiteren Spielverlauf noch der Treffer zum 2:4, doch eine wirkliche Aufholjagd entwickelte sich daraus nicht mehr. Stattdessen setzte sich fort, was uns bereits in der ersten Hälfte so große Schwierigkeiten bereitet hatte. Fehlende Abstimmung, überhastete Aktionen, ungenaue Zuspiele und eine Raumaufteilung, die es uns selbst schwer machte, ins Spiel zu finden. Zeitweise entstand an der Seitenlinie sogar die Sorge, dass diese Begegnung noch deutlich bitterer enden könnte. Es war eines jener Spiele, bei denen man als Trainer irgendwann beinahe sprachlos dasteht und sich fragt, warum all das, was unter der Woche so gut funktioniert, plötzlich wie weggeblasen scheint.
Am Ende stand eine 2:4-Heimniederlage, die uns nachdenklich zurücklässt.
Nicht, weil wir glauben, jedes Spiel gewinnen zu müssen. Niederlagen gehören zum Fußball, und selbstverständlich darf auch der Gegner besser sein. Die Mädchen der JFG Schwarze Laber haben ihre Möglichkeiten genutzt und sich den Sieg verdient. Was uns aber beschäftigt, ist die Erkenntnis, dass wir unser eigenes Können über weite Strecken nicht auf den Platz gebracht haben. Wir wissen, dass unsere Mannschaft Fußball spielen kann. Wir sehen es Woche für Woche im Training. Da wird kombiniert, verlagert, miteinander gespielt und mit einer Selbstverständlichkeit aufs Tor geschossen, die richtig Freude macht. Nur müssen wir es schaffen, genau diesen Fußball auch dann zu spielen, wenn ein Gegner vor uns steht, wenn etwas nicht auf Anhieb funktioniert und wenn wir in Rückstand geraten. Vielleicht ist das im Moment unsere größte Herausforderung. Nicht das Fußballspielen neu zu lernen, sondern wieder darauf zu vertrauen, was wir eigentlich können. Gemeinsam Verantwortung zu übernehmen, miteinander zu reden, füreinander zu laufen und auch nach einem Fehler den Mut nicht zu verlieren.
Als wäre dieser gebrauchte Fußballabend nicht schon bitter genug gewesen, verletzte sich auch noch unsere Rosi. Mittlerweile steht fest, dass sie sich einen Außenbandriss zugezogen hat und uns damit für den Rest des Jahres fehlen wird. Eine Nachricht, die uns mehr schmerzt als jede Niederlage. Denn bei allem sportlichen Ehrgeiz gibt es Dinge, die unendlich viel wichtiger sind als Tore, Punkte und Tabellenplätze. Zu wissen, dass eines unserer Mädchen nun wochenlang nicht das tun kann, was es so gerne macht, tut einfach weh.
Liebe Rosi, wir wünschen Dir von ganzem Herzen eine schnelle und vollständige Genesung. Nimm Dir die Zeit, die Du brauchst, um wieder richtig gesund zu werden. Wir freuen uns schon jetzt auf den Tag, an dem Du wieder mit Deinem Lächeln bei uns auf dem Fußballplatz stehst. Du fehlst uns ❤️








